Während
meiner Lehrtätigkeit an der Universität Mozarteum und auf verschiedenen
Kursen zum Thema Didaktik und Methodik des Gitarrenunterrichts beschäftige
ich mich u.a. mit den Möglichkeiten alternativer Unterrichtsformen.
So entstehen immer wieder Publikationen oder Projekte, die unterschiedliche
Aspekte im Gitarrenunterricht behandeln. Dabei steht meist die Auseinandersetzung
mit verschiedenen Formen der Improvisation und des Ensemblespiels, mit
oder ohne Noten, im Vordergrund.
Projekt
experimentelle Musik im Gitarrenunterricht
mit Studierenden der Universität
Mozarteum und Schülerinnen der Musikhauptschule St. Johann.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung
Gitarre und ihre Didaktik an der Universität Mozarteum, Studienrichtung
Musik- und Bewegungserziehung fand im Wintersemester 2001/02 ein Projekt
mit Schülern der Musikhauptschule St. Johann/Pongau (Österreich)
statt. Es ging dabei um die Erfahrung im Zusammenspiel in einem großen
Gitarrenensemble mit Schülern, die erst seit ca. 2 Jahren Unterricht
hatten. Im Vordergrund stand dabei die intensive Auseinandersetzung mit
experimenteller Musik. Das Ziel war einerseits, den Kindern einen natürlichen,
unverkrampften Zugang zu zeitgenössischer Musik aufzuzeigen, andererseits
auch die Möglichkeiten, die ein Schüler mit zwei Unterrichtsjahren
bereits zur Verfügung hat, anhand von Improvisation und eigenständiges
Entdecken zu fördern.
Unter dem Titel "Funkymoso,
Gitardando - geheimnisvolle Klänge aus dem Schalloch" wurden
mit den ca. 25 Schülerinnen und Schülern Spieltechniken erarbeitet,
die auch in vielen zeitgenössischen Werken für Gitarre(n) vorkommen.
Um den Orchestereffekt richtig auszuschöpfen, wurden die Schüler
in drei Gruppen mit unterschiedlichen Präparationstechniken eingeteilt:
- Für die 1. Gruppe wurden
kleine Stege aus Aluminium am XII, Bund auf das Griffbrett zwischen die
Saiten geklemmt, sodaß ein Klangeffekt, ähnlich wie bei einem
Koto entsteht und die Saiten sowohl über dem Griffbrett als auch in
normaler Position angezupft/geschlagen werden konnten.
- Für Glissandoeffekte
wurden die Schüler der 2. Gruppe mit Bottlenecks ausgestattet.
- Die 3. Gruppe befestigte
kleine Plastikstreifen aus zerschnittenen Plastikkarten am Steg zwischen
den Saiten um einen gedämpften Klang, der auch ein wenig an Steeldrums
erinnert, zu erzeugen.
Nachdem verschiedene Spieltechniken
wie Tremolo (mit einem Finger hin und her), Tapping (die Saiten über
dem Griffbrett mit den Fingerspitzen antippen), Bartok Pizz. usw. vorgestellt
wurden, zogen sich die drei Gruppen mit je einer Studentin zurück
um eigene Spieltechniken zu erfinden und zu sammeln.
Anna Kalcher bei der Präsentation der gesammelten Spieltechniken und Motive der "Koto" Gruppe
Nachdem von den 3 Gruppen mehrere
Motive erarbeitet, benannt und an die Tafel geschrieben wurden, gab es
genügend Material um daraus ein Stück zu basteln. Bei der Benennung
der Motive zeigten die Schüler ein großes Maß an Phantasie
und so entstanden "musikalische Begriffe" wie etwa: "Obstsalat", "Peng",
"über den Berg", "Quak" usw...
Die praktische Umsetzung erfolgte
indem der jeweiligen Gruppe durch den Dirigenten Anweisungen durch Zeigen
auf das Motiv an der Tafel gegeben wurde. Da es hierbei unzählige
Kombinationsmöglichkeiten gibt, gestaltet sich jede Aufführung
spannend und abwechslungsreich. Ziel dieser Aktion ist, ein Gespür
für den Aufbau und den Spannungsverlauf innerhalb eines Stückes
zu vermittlen. Zudem ist die Erfahrung, Mitglied in einem großen
Ensemble zu sein, vor allem für Gitarristen von großem Wert.
Für die Schüler war es dabei sehr motivierend, ihre eigenen Ideen
bezüglich des Ablaufs einzubringen und das Stück auch zu dirigieren.
Hans Brüderl als Dirigent des 25-köpfigen Gitarrenorchesters
Projekt "Spiele mit der Gitarre" and der Musikschule Traunwalchen (Bayern)
Im Sommersemester 2002 befassten
sich die Studierenden der Lehrveranstaltung Gitarre und ihre Didaktik an
der Universität Mozarteum, Studienrichtung Musik- und Bewegungserziehung
mit dem Thema Spielerisches Lernen auf der Gitarre.
Dabei wurden einige Modelle entwickelt und bereits bekannte Spiele für
die Bedürfnisse im Gitarrenunterricht modifiziert. Die Grundidee aller
musikalischen Spiele besteht dabei darin, daß sich Schüler abseits
der üblichen Anforderungen wie Üben, Notentext, schwierige Passagen,
technische Hindernisse ect. , mit ihrem Instrument in einer entspannten,
stressfreien Situation auseinandersetzen und beschäftigen können.
Die entstandenen Konzepte
wurden an der Musikschule Traunwalchen der Stadt Traunreut in der Praxis
erprobt.
Bei dem "Baukastenstück" handelt es sich um das Duo "Vor dem Wigwam" aus "Geschichten aus dem Schalloch (Universal Edition)" von Hans Brüderl. Zunächst wurden die einzelnen Motive ohne Noten vorgestellt, nachgespielt und unterschiedlich miteinander kombiniert. Danach wurden die ausgeschnittenen Motive des Stückes an die Kinder verteilt. Nun konnten eigene Kombinationsmöglichkeiten durch Legen der Motivzettel entstehen. Als nächste Spielmöglichkeit konnte ein Kind als Dirigent den Ablauf des Stückes bestimmen, indem es durch Zeigen auf das jeweilige Motiv der betreffenden Gruppe oder einzelnen Spielern den Einsatz gibt.
Die Zettel mit unterschiedlichen Motiven liegen am Boden und können je nach Belieben ausgetauscht oder verändert werden
Beim "Tonleiterkarussel" sitzen
alle Spieler im Kreis und zunächst wandert nur ein Ton (e1) in langsamen
Tempo im Uhrzeigersinn von Kind zu Kind, bis ein gleichmäßiger
Puls erreicht ist.
1. Variante: spielt ein Schüler
den Ton 2x schnell hinereinander, ändert sich die Richtung so lange,
bis ein weiterer Schüler seinen Ton schnell wiederholt.
2. Variante: jedem Kind wird
ein Ton aus einer Tonleiter (in unserem Fall G-Dur von g1-g2) zugeteilt.
Nun wandert die Tonleiter - auch in Kombination mit Variante 1.
3. Variante: Ein Kind begibt
sich in die Mitte des Kreises und kann durch Zeigen auf die Mitspieler
kleine Melodien oder Tonreihen zum Klingen bringen.
4. Variante: Jedes Kind sucht
sich einen Platz im Raum, sodaß die Tonleiter aus unterschiedlichen
Positionen erklingt.
Der "Dirigent" in der Mitte des Tonleiterkarussels erfindet neue Melodien durch Zeigen auf die Mitspieler
Bei weniger Teilnehmern kann
das Spiel abgeändert werden. Die Tonleiter wird nun auf die Anzahl
der Mitspieler verteilt. D.h. die Mitwirkenden müssen den Verlauf
der Tonleiter verfolgen und den jeweiligen Ton zur richtigen Zeit bringen.
Ziele dieser Übung:
- Inneres Voraushören,
Hoch-Tief-Orientierung
- Reaktion auf das Umfeld
- Räumliches Wahrnehmen
- Interaktion
An weiteren Spielen wurde erprobt:
- Schwarzer Peter
- Stille Post
- Kartenlegen